Familienberatung Sam Sprinkles, oder: Ein Fall für den Weihnachtshasen

Zebra Girl Fanfiction von Hmpf MacSlow

 

Disclaimer: Sandra, Jack, Sam, Crystal, Wally, Tomie, Sandras Mom und die Stadt Miscellaneous sind nicht mein geistiges Eigentum, sondern das von Joe England (http://zebragirl.keenspot.com), der uns hoffentlich noch viele Geschichten über sie erzählen wird.

Widmung und Dank: Für Atti, weil's ihre Schuld ist; für Nager, weil er so schön ansteckbar ist. Und natürlich für Joe (auch wenn der sich über Geld vermutlich mehr freuen würde. *g*) Und vielen Dank an Birgitt für das Betalesen in einem Fandom, das (noch?) nicht das ihre ist.

Feedback an: hmpf1998@gmx.net

 

Familienberatung Sam Sprinkles, oder: Ein Fall für den Weihnachtshasen

 

“Sandra...”

“Mom...”

“Nein, laß mich ausreden.”

“Mom.”

“Laß. Mich. Ausreden. Du telefonierst mit mir, aber du erzählst mir nichts. Du verschwindest für Monate und überläßt es Jack, dich mit fadenscheinigen Erklärungen zu entschuldigen, und wenn du zurückkommst, erzählst du mir immer noch nichts. Ich weiß nicht mehr, was in deinem Leben vorgeht, Sandra. Also habe ich beschlossen, etwas zu tun. Ich komme Weihnachten nach Miscellaneous. Ich habe bereits ein Ticket.”

“WAS?”

***

“Was?!” sagte Jack.

“Du hast richtig gehört. Meine Mutter kommt uns besuchen”, antwortete Sandra. Jack versuchte immer öfter, einen Eindruck von Würde und Kompetenz zu erwecken, doch es gelang ihm dennoch nur selten, nicht wie ein professioneller Taugenichts auszusehen. Sandra beobachtete sein Gesicht, während er den Weg von Erstaunen über Panik bis zu einem Anschein von Ruhe zurücklegte.

“Sie darf dich nicht so sehen”, erklärte er.

“Eindeutig.” Wider alle Vernunft erwartungsvoll, starrte sie ihn an. Er starrte zurück, Ratlosigkeit im Gesicht.

“Was sollen wir tun?” fragte er schließlich.

“Was du Halloween für Crystal getan hast... sie vorübergehend in einen Fuchs zu verwandeln... kannst du sowas für mich tun? Mich für ein Weilchen in mich selbst verwandeln? Du bist doch angeblich ein so mächtiger Zauberer. Du hast dieses Harold-Jüngelchen Gott weiß wohin geschickt.”

Jack seufzte. Die Ratlosigkeit in seinen Zügen wich einer nüchternen Bitterkeit, und augenblicklich bereute sie ihre Worte.

“Es ist eine Sache, Kräfte zu haben, und eine andere, zu wissen, was man tut, Sandra. Ich kann meine Kräfte nicht wirklich anwenden, bevor ich nicht... eine ganze Menge mehr gelernt habe.” Und da war er wieder, beunruhigend wie immer, weil er immer unerwartet auftauchte: Jack der Karierte. Jack war jetzt ganz Ruhe und Verantwortung, und unbewußt würdevoll. “Tomie hat keine Informationen über die Verwandlung von Dämonen in Menschen. Überhaupt keine. Glaub mir, könnte ich dich auch nur für kurze Zeit verwandeln, wäre ich meinem Ziel, dich wieder menschlich zu machen, schon ein gutes Stück näher.” Er schloß die Augen und wartete auf den Ausbruch, stählte sich für die Flammen. Ehrliche Reue rettete ihn selten vor dem Zorn seiner dämonischen Mitbewohnerin.

Die Küchentür öffnete sich.

“Morgen. Mm, flambierter Jack zum Frühstück?” Sam, das WG-eigene anthropomorphe Riesenkaninchen, kam herein und ging geradewegs zum Kühlschrank. Dort angekommen beschloß er, sein Frühstück zu verschieben, lehnte sich an die Arbeitsfläche und beobachtete seine beiden Mitbewohner am Küchentisch.

Die Härchen auf Jacks Unterarmen fingen Feuer und brannten ab wie die Kerzen einer im Zeitraffer gefilmten Geburtstagstorte. Ein versengter Geruch breitete sich aus.

“Ist das nur der übliche Dämonenzorn oder gibt es einen speziellen Anlaß?” fragte Sam in die Atmosphäre konzentrierter Wut hinein.

Die Flammen, die, noch klein und vereinzelt, in Jacks schwerkraftresistentem Schopf zu tanzen begonnen hatten, verloschen schlagartig.

Sandra stieß frustriert den Atem aus. Sie griff nach ihrer Kaffeetasse, gleichermaßen wütend und dankbar für die Ablenkung. Sie versuchte, sich auf die Dankbarkeit zu konzentrieren.

Ich will Jack nicht verletzen. Sam hat mich davon abgehalten. Ich bin ihm dankbar dafür. Dankbar...

Jack atmete erleichtert aus, lehnte sich im Stuhl zurück und betrachtete seine enthaarten Unterarme. “Pyro-Epilation. Praktisch. Crystal würde sich dafür bedanken.”

“Also?” bohrte Sam nach.

“Meine Mutter kommt zu Besuch”, knurrte Sandra in ihren Kaffee.

“Und?”

“Genau das ist das Problem”, schnappte Sandra. Einen Moment lang stellte sie sich vor, wie es wäre, zur Abwechslung einmal Sam in Flammen aufgehen zu lassen. Es war ein angenehmer Gedanke. Etwas tief in ihr, etwas, das kein Teil von ihr gewesen war, als sie noch ein Mensch war, genoß es, Schmerz zuzufügen, genoß die Schreie ihrer Opfer. Sie haßte diesen Teil von sich - mehr, als sie ihre Hörner, ihren Schwanz oder ihre Hufe haßte, und ganz sicher mehr als ihr drittes Auge und ihre Flügel. Über letztere dachte sie insgeheim immer öfter, daß sie sie vermissen würde, falls – wenn – sie wieder menschlich würde.

“Wieso ist das ein Problem?” fragte Sam ruhig.

Sandra starrte ihr alter ego aus einem anderen Universum an, als hätte er begonnen, in Zungen zu reden.

“Sam... ihre Mutter wird einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie sie so sieht”, kam ihr Jack zu Hilfe.

“Ja”, sagte Sandra. “Schau mich an. Ich bin der größte Freak aller Zeiten. Das wird sie umbringen.”

Sam musterte sie einen Moment lang, und wie immer hatte sie das Gefühl, daß er sie ganz und gar durchschaute. Sie konnte seinen Blick nicht ertragen und blickte nach unten in ihren Kaffee, sah drei violette Augen sich in der dunklen Flüssigkeit spiegeln.

“Hat deine Mutter Herzprobleme?”

“Nein.”

“Hat irgendeiner deiner Freunde bisher deinetwegen einen Herzinfarkt gehabt?”

“Alle meine Freunde sind Freaks. Sie zählen nicht.”

“Danke für das Kompliment!” Jack deutete im Sitzen eine Verbeugung an.

“Wovor hast du wirklich Angst?”

“Davor, meine Seele mit einem Riesenkarnickel aus einer anderen Dimension teilen zu müssen.”

“7 von 10 für Witz, 1 von 10 für Ehrlichkeit.”

“Eins ist sicher, Mom und du, ihr werdet euch wunderbar verstehen, wenn sie erstmal über den Schock weg ist”, brummte die mürrische Dämonin.

“Noch ein Grund, sie bei uns willkommen zu heißen.”

Sandra stöhnte.

“Okay, okay... na gut. Wovor habe ich Angst... Ich habe Angst, daß sie schreiend davonrennen wird und mich nie wieder sehen will.”

“Sie ist deine Mutter. Natürlich wird sie dich wiedersehen wollen.”

“Woher weißt du das? Das hier ist so weit außerhalb jeder menschlichen Erfahrung, daß nicht einmal ich weiß, was meine Mutter tun wird, und ich kenne sie seit zwei Jahrzehnten. Woher willst du wissen, wie sie reagieren wird?”

“Du hast recht, ich weiß es nicht. Und du weißt es auch nicht. Und es kann sein, daß das hier eine schmerzhafte Erfahrung wird. Aber denkst du nicht, daß es das Beste ist, es hinter dich zu bringen? Deine Mutter wird sich nicht ewig deine Entschuldigungen anhören.”

“Er hat recht, weißt Du”, meldete sich Jack zu Wort. “Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis ich ein Mittel gefunden haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaaaaaaaaaargh!”

“Das war ein tadelloser Küchenstuhl”, bemerkte Sam, als Jack in Flammen aufging. Sandra zischte. Ihre dämonische Seite hatte für den Moment die Überhand gewonnen. Jack war aufgesprungen und rollte sich auf dem Boden, um das Feuer zu stoppen. Sam holte die Löschdecke und warf sie über den brennenden Stuhl. Gerade, als die Flammen, die den unglücklichen Zauberer verschlungen hatten, erstarben, öffnete sich die Tür und die letzten zwei Bewohner des seltsamsten Hauses in der Miscellaneous Street betraten die Küche.

“Guten Morgen... Oh nein! Ist das ein Küchenstuhl, den ich hier rieche? Ihr wißt doch, daß wir kein Geld für neue Möbel haben.” Crystals gute Stimmung, das Resultat ausgedehnten Liebesspiels mit ihrem Freund, Wally dem Werwolf, bekam einen sichtbaren Knacks. “Oh, hi Jack”, sagte sie zu ihrem versengten Bruder, der sich auf dem Boden krümmte. Sie ging zum Kühlschrank. Wally blieb in der Tür stehen. Er war der neueste Mitbewohner und fürchtete sich noch ein wenig vor seinen Hausgefährten - ganz besonders vor solchen, die Pyrokinese beherrschten. Crystal warf ihm einen Apfel zu.

“Also, was gibt's Neues?” fragte sie in die Runde.

Sandra hob die Löschdecke hoch und enthüllte die traurigen Überreste des Stuhls. Sie seufzte. “Wir müssen zwei neue Stühle kaufen”, sagte sie. “Der Weihnachtshase da sagt, wir bekommen Besuch.”

 

 

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